Weißstorch – Frühlingsbote mit schwarzen Schwingen

Allgemein

Aussehen

Der Weißstorch besitzt einen großen, schlanken Körper mit langen Beinen, einem langen Hals und einem kräftigen, geraden Schnabel. Das Gefieder ist überwiegend weiß, während die Schwung- und großen Flügeldecken schwarz gefärbt sind und im Flug einen deutlichen Kontrast bilden. Schnabel und Beine erwachsener Vögel sind leuchtend rot, während die Augen von einer dunklen Gesichtsmaske umgeben sind.

Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich, wobei das Männchen im Durchschnitt etwas größer und schwerer ist und häufig einen etwas längeren und kräftigeren Schnabel besitzt.

Jungvögel haben zunächst einen dunkleren, schwarzgrauen Schnabel und fleischfarbene bis graue Beine, die sich mit zunehmendem Alter rot färben. Auch das Gefieder wirkt bei ihnen etwas matter als bei ausgewachsenen Vögeln.

Verbreitung

Der Weißstorch ist in Europa, Nordafrika und Teilen West- und Zentralasiens verbreitet. In Europa liegen wichtige Brutgebiete unter anderem in Deutschland, Polen, Spanien, Frankreich sowie in den Ländern Mittel- und Osteuropas.

In Deutschland brütet er vor allem im Norden und Osten sowie in Teilen Südwestdeutschlands, wobei sich die Bestände regional deutlich unterscheiden.

Die europäischen Populationen sind Zugvögel und überwintern hauptsächlich südlich der Sahara, während einige Populationen in Spanien und Nordafrika kürzere Zugstrecken zurücklegen.

Der Zug erfolgt auf zwei großen Routen über die Straße von Gibraltar beziehungsweise über den Bosporus und das östliche Mittelmeer, da Weißstörche den offenen Meeresflug weitgehend vermeiden.

Lebensraum

Der Weißstorch bevorzugt offene, abwechslungsreiche Landschaften mit einem Mosaik aus Feuchtwiesen, Weiden, flachen Gewässern, Ackerflächen und Feldrändern.

Besonders geeignet sind Gebiete, in denen kurzrasige Flächen regelmäßig Nahrung zugänglich machen und gleichzeitig einzelne Bäume, Gebäude oder andere erhöhte Strukturen als Nistplätze vorhanden sind.

Überschwemmungsgebiete und Flussauen bieten durch ihre hohe Artenvielfalt besonders günstige Bedingungen.

Der Weißstorch hat sich vielerorts an Kulturlandschaften angepasst und nutzt auch vom Menschen geschaffene Lebensräume, sofern ausreichend Nahrung und geeignete Brutplätze vorhanden sind.

Entwicklung

Der Weißstorch brütet auf großen Horsten aus Ästen, die auf Bäumen, Felsen, Gebäuden oder eigens errichteten Nistplattformen angelegt werden und über Jahrzehnte immer weiter wachsen können.

Die Jungvögel sind Nesthocker und schlüpfen zunächst mit weißem Flaum, geschlossenen Augen und weitgehend hilflos.

Beide Eltern versorgen sie mit Nahrung, die sie im Nest hervorwürgen und an die Jungvögel verfüttern.

Nach etwa 58 bis 64 Tagen beginnen die Jungstörche mit den ersten Flugversuchen und werden noch einige Zeit von den Eltern versorgt.

Die Geschlechtsreife erreichen sie meist im Alter von etwa drei bis vier Jahren.

Brut

Die Balz beginnt unmittelbar nach der Rückkehr aus dem Winterquartier und wird besonders intensiv am Horst durchgeführt. Die Partner begrüßen sich mit charakteristischem Schnabelklappern, wobei sie den Kopf zurückwerfen, die Flügel teilweise ausbreiten und den Schnabel rhythmisch öffnen und schließen.

Die Brutzeit liegt in Deutschland überwiegend zwischen April und Juli, und meist findet eine Brut pro Jahr statt.

Das Weibchen legt gewöhnlich drei bis fünf Eier, die etwa 32 bis 34 Tage von beiden Partnern bebrütet werden.

Weißstörche leben meist in langjährigen Paarbindungen, wobei die Partner häufig gemeinsam denselben Horst nutzen.

Nahrung

Der Weißstorch ernährt sich vielseitig und erbeutet vor allem Frösche, Mäuse, Wühlmäuse, größere Insekten, Regenwürmer und andere wirbellose Tiere.

Je nach Lebensraum gehören auch Fische, Eidechsen, Schlangen, Jungvögel und gelegentlich kleine Säugetiere zu seiner Nahrung.

Anders als viele Greifvögel jagt er nicht aus dem Flug, sondern schreitet langsam über Wiesen und Felder und beobachtet dabei aufmerksam den Boden. Entdeckt er ein Beutetier, packt er es mit einer schnellen Bewegung seines langen Schnabels.

Während der Jungenaufzucht können die Altvögel große Mengen Nahrung zum Nest transportieren.

Besonderheiten

Das auffälligste Kommunikationsmittel des Weißstorchs ist das Schnabelklappern, da erwachsene Tiere nur wenige stimmliche Laute erzeugen. Dabei werden die beiden Schnabelhälften schnell gegeneinandergeschlagen, wodurch ein weithin hörbares Klappern entsteht.

Weißstörche können während des Zuges täglich große Entfernungen zurücklegen und nutzen dabei Thermik, um energiesparend weite Strecken zu überwinden.

Ihre ausgeprägte Horsttreue führt dazu, dass große Nester über viele Jahre von mehreren Generationen genutzt und immer weiter ausgebaut werden. Manche Horste erreichen dadurch eine beträchtliche Größe und ein Gewicht von mehreren hundert Kilogramm.

Besonders bemerkenswert ist außerdem die unterschiedliche Zugstrategie der europäischen Populationen: Während westliche Störche über Gibraltar ziehen, wählen östliche Populationen die Route über den Bosporus und das östliche Mittelmeer.

Beobachtungstipp

Während der Brutzeit sind Weißstörche besonders gut auf offenen Wiesen, Weiden und Feldern zu beobachten.

Frühmorgens und am späten Nachmittag sind die Tiere häufig auf Nahrungssuche, während sie in der warmen Mittagszeit gerne in Thermik aufsteigen und weite Kreise am Himmel ziehen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen besetzte Horste, an denen das charakteristische Schnabelklappern der Altvögel zu hören ist.

Verbreitungskarte