Wintergoldhähnchen – Europas kleinster Vogel

Allgemein

Aussehen

Das Wintergoldhähnchen besitzt einen rundlichen Körper, einen kurzen Schwanz, einen feinen, spitzen Schnabel und dünne Beine. Die Oberseite ist olivgrün bis gelbgrün gefärbt, die Unterseite grauweiß bis graugrünlich. Besonders auffällig ist der gelbe bis orangegelbe Scheitelstreif, der von schwarzen Federn eingefasst wird.

Beim Männchen zeigt die Scheitelmitte einen orangefarbenen Anteil, während der Scheitel des Weibchens gelb bleibt. Beide Geschlechter besitzen zwei helle Flügelbinden, die im Gegensatz zum Sommergoldhähnchen ein wichtiges Erkennungsmerkmal sind.

Jungvögel haben zunächst keinen ausgeprägten farbigen Scheitelstreif und wirken insgesamt schlichter.

Verbreitung

Das Wintergoldhähnchen ist in weiten Teilen Europas und Asiens verbreitet und kommt außerdem in Gebirgsregionen Nordafrikas vor.

In Deutschland ist es flächendeckend in geeigneten Lebensräumen anzutreffen.

Es ist überwiegend ein Stand- und Teilzieher. Viele Vögel bleiben ganzjährig in ihren Brutgebieten, während Populationen aus nördlichen und östlichen Regionen im Herbst nach Mitteleuropa oder weiter nach Süden ziehen. Im Winter können deshalb zusätzliche Vögel aus nördlicheren Gebieten auftreten.

Lebensraum

Der bevorzugte Lebensraum des Wintergoldhähnchens sind Nadelwälder mit Fichten, Tannen und anderen geeigneten Nadelbäumen.

Besonders wichtig sind dichte Baumkronen, die Nahrung, Deckung und geschützte Schlafplätze bieten. Außerhalb der Brutzeit nutzt es auch Mischwälder, Parks und Gärten mit ausreichend Nadelgehölzen.

Meist hält es sich hoch in den Baumkronen auf und bewegt sich entlang der Zweige, häufig sogar an deren Unterseiten.

Im Winter schließt es sich gelegentlich gemischten Trupps mit Meisen und anderen Kleinvögeln an.

Entwicklung

Die Jungvögel schlüpfen nackt und hilflos und werden von den Eltern mit kleinen Insekten und Spinnen versorgt.

Während das Weibchen vor allem das erste Gelege bebrütet und anfangs die Jungen wärmt, übernimmt das Männchen einen großen Teil der Fütterung.

Nach ungefähr 17–22 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest.

Anschließend werden sie noch etwa ein bis zwei Wochen von den Eltern versorgt, bevor sie selbstständig Nahrung suchen.

Die Geschlechtsreife erreichen sie normalerweise im folgenden Jahr.

Brut

Die Balz beginnt im Frühjahr. Männchen singen, um ihr Revier abzugrenzen und Weibchen anzulocken. Die Partner bewegen sich dabei häufig durch die Baumkronen.

Die Brutzeit liegt in Deutschland überwiegend zwischen April und Juli.

Das Weibchen baut ein rundliches, elastisches Hängenest aus Moos, Flechten, Spinnweben und Federn, das meist in einem dichten Nadelbaum verborgen ist.

Ein Gelege umfasst gewöhnlich etwa 7–10 Eier.

Die Brutdauer beträgt ungefähr 15–16 Tage. Wintergoldhähnchen ziehen häufig zwei Bruten pro Jahr auf.

Nahrung

Das Wintergoldhähnchen ernährt sich hauptsächlich von kleinen Gliederfüßern. Dazu gehören Springschwänze, Blattläuse, kleine Spinnen sowie Insekteneier und Larven.

Es sucht seine Beute gezielt an Nadeln, Knospen und Zweigunterseiten und untersucht dabei selbst schmale Zwischenräume. Größere Beutetiere bearbeitet es gegebenenfalls, bevor es sie verschluckt.

Weil es nur geringe Energiereserven speichern kann und viel Wärme verliert, muss es tagsüber nahezu ununterbrochen Nahrung aufnehmen.

Besonderheiten

Das Wintergoldhähnchen gehört zu den kleinsten Vogelarten Europas und wiegt häufig nur etwa fünf bis sieben Gramm.

Sein Energiebedarf ist im Verhältnis zur Körpergröße außergewöhnlich hoch, weshalb es täglich große Mengen winziger Beutetiere aufnehmen muss.

In kalten Winternächten können mehrere Wintergoldhähnchen eng aneinandergerückt schlafen und dadurch Wärmeverluste verringern.

Das elastische Nest ist besonders gut isoliert und kann sich mit dem Wachstum der Jungvögel etwas erweitern.

Die Art ist trotz ihrer geringen Größe ein regelmäßiger Bewohner kalter Regionen, reagiert aber empfindlich auf längere Perioden mit Eisbildung und eingeschränkter Nahrungssuche.

Beobachtungstipp

Das Wintergoldhähnchen lässt sich besonders gut in Fichten- und Tannenbeständen beobachten.

Achte auf kleine, rastlos hüpfende Vögel, die an Zweigen entlangklettern und häufig die Unterseiten der Äste absuchen.

Im Winter kann die Suche in Parks und Gärten mit Nadelbäumen besonders lohnend sein.

Der hohe, feine Gesang und die kurzen Rufe helfen beim Auffinden, sind allerdings nicht für alle Menschen gut hörbar.

Verbreitungskarte