Mittelspecht – Der Specht der alten Wälder

Allgemein

Aussehen

Der Mittelspecht besitzt einen kräftigen, gedrungenen Körper, einen relativ kurzen Schwanz und einen im Vergleich zum Buntspecht schlankeren, weniger kräftigen Schnabel. Die Oberseite ist überwiegend schwarz mit großen weißen Schulterflecken und einer schwarz-weiß gebänderten Flügelzeichnung. Besonders auffällig ist die leuchtend rote Kopfplatte, die sich vom Schnabelansatz bis zum Hinterkopf erstreckt und beim Männchen meist etwas kräftiger gefärbt ist. Die Stirn ist hell, die Wangen sind weißlich und der schwarze Wangenstreif erreicht den Schnabel nicht. Brust und Bauch sind hell gefärbt und zeigen eine dunkle, gestrichelte Zeichnung an den Flanken. Die Unterschwanzdecken sind rosarot bis kräftig rot.

Weibchen besitzen ebenfalls eine rote Kopfplatte, die jedoch häufig etwas matter erscheint.

Jungvögel wirken insgesamt matter und besitzen eine weniger intensive Rotfärbung am Kopf.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Mittelspechts reicht von Nordspanien und Frankreich über Mitteleuropa bis nach Russland und in die Ukraine. Südlich erstreckt es sich über den Balkan, die Türkei und den Kaukasus bis in den Iran.

Deutschland beherbergt einen bedeutenden Anteil des europäischen Gesamtbestandes und trägt deshalb eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Art.

In Deutschland ist der Mittelspecht regional verbreitet, wobei größere Vorkommen vor allem in laubholzreichen Landschaften liegen.

Er ist ein Standvogel und bleibt ganzjährig in seinem Brutgebiet. Im Herbst kann es zu kleinräumigen Wanderbewegungen kommen.

Lebensraum

Der Mittelspecht bevorzugt alte, lichte Laubwälder mit einem hohen Anteil an Eichen und anderen grobborkigen Bäumen.

Besonders geeignete Lebensräume sind Eichen-Hainbuchen-Wälder, Hartholzauen, alte Buchenwälder und Erlenbruchwälder. Entscheidend ist ein ausreichendes Angebot an alten Bäumen, deren raue Borke zahlreiche Verstecke für Insekten bietet. Auch abgestorbene Äste, Totholz und geschädigte Baumstämme sind wichtig, da sie sowohl Nahrung als auch geeignete Stellen für die Anlage von Bruthöhlen bereitstellen.

Gelegentlich kommt die Art auch in alten Parks und Streuobstwiesen vor, sofern dort ausreichend geeignete Bäume vorhanden sind.

Entwicklung

Die Jungvögel schlüpfen nackt und hilflos und werden von beiden Elternteilen im Höhleninneren versorgt.

Während der Nestlingszeit tragen die Altvögel regelmäßig Insekten und andere kleine Beutetiere zur Bruthöhle.

Nach ungefähr 20–23 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest. Anschließend werden sie noch eine gewisse Zeit von den Eltern betreut und gefüttert, bevor sie selbstständig nach Nahrung suchen.

Die Jungvögel bleiben zunächst häufig in der Nähe des elterlichen Reviers.

Ihre Geschlechtsreife erreichen sie normalerweise im folgenden Jahr.

Brut

Die Balz beginnt bereits im Spätwinter, besonders ausgeprägt ist sie von März bis April. Die Partner verständigen sich durch verschiedene Rufe und verfolgen sich während der Balz durch die Baumkronen.

Der Mittelspecht lebt während der Brutzeit überwiegend in einer saisonalen Paarbindung. Die Brutzeit reicht in Deutschland hauptsächlich von April bis Juni.

Die Bruthöhle wird von beiden Partnern in morschen Stellen alter Laubbäume oder in geschädigten Ästen angelegt.

Ein Gelege umfasst gewöhnlich etwa 5–6 Eier, gelegentlich auch mehr.

Die Brutdauer beträgt ungefähr 11–14 Tage. In der Regel findet eine Jahresbrut statt, bei Verlust des ersten Geleges kann es zu einem Nachgelege kommen.

Nahrung

Die Nahrung des Mittelspechts besteht überwiegend aus Insekten und anderen kleinen Gliederfüßern. Dazu gehören Ameisen, Blattläuse, Käfer, Raupen, Spinnen und verschiedene Larven holzbewohnender Insekten.

Anders als der Buntspecht hackt er nur vergleichsweise selten kräftig in das Holz hinein. Stattdessen untersucht er mit seinem schlanken Schnabel die Rindenoberfläche und stochert in Spalten und Ritzen nach Beutetieren.

Besonders häufig sucht er an grobborkigen Stämmen und stärkeren Ästen sowie im Bereich abgestorbener Baumteile.

Ergänzend nimmt er Baumsaft, Früchte und Samen auf. Baumsaft spielt insbesondere außerhalb der Hauptvegetationszeit eine wichtige Rolle und wird mit der langen Zunge direkt von der Baumoberfläche aufgenommen.

Besonderheiten

Der Mittelspecht ist stärker an alte Laubwälder gebunden als viele andere heimische Spechtarten. Seine Spezialisierung auf grobborkige Bäume macht ihn zu einem wichtigen Anzeiger für die ökologische Qualität alter Waldlebensräume.

Anders als der Buntspecht besitzt er einen vergleichsweise schwachen Schnabel, mit dem er vor allem an der Oberfläche nach Nahrung sucht.

Auch seine Klettertechnik ist etwas anders ausgeprägt: Er hält sich häufig auf stärkeren Ästen und in den äußeren Kronenbereichen auf, statt ausschließlich senkrecht an Baumstämmen zu klettern.

Das Trommeln spielt bei seiner Verständigung eine untergeordnete Rolle; seine Rufe sind deutlich häufiger zu hören.

Beobachtungstipp

Am besten lässt sich der Mittelspecht im Frühjahr in alten Laubwäldern mit hohem Eichenanteil beobachten.

Besonders lohnend sind sonnige Vormittage, wenn die Vögel in den Baumkronen nach Nahrung suchen und durch ihre Rufe auf sich aufmerksam machen.

Achte auf den vollständig roten Scheitel und die großen weißen Schulterflecken.

Im Gegensatz zum Buntspecht trommelt der Mittelspecht nur selten. Häufiger sind seine charakteristischen, quäkenden Rufreihen zu hören.

Verbreitungskarte